Der
ausführliche Bericht von Rainer, Vorstandsmitglied des Vereins Seit Februar 2005 liefen die Vorbereitungen auf unseren 13. Hilfstransport. Angefangen von der Terminierung über die Besorgung von Fahrzeugen, 2 Kleiderpackterminen, einer umfangreichen Spendenaktion von INTERFRIENDSHIP, dem besorgen von leeren Kartons, dem packen von Lebensmittel und Schulartikeln bis zur Erledigung vielfacher Formalitäten und Anträge ging des Spektrum. Und so Kleinigkeiten wie Klebeband besorgen, Adressetiketten drucken, Kisten von McDonalds für die Lebensmittel- und Gastelternpakete (die Familien, die in Hargesheim ein Kind beim Sommeraufenthalt aufgenommen haben, schicken diesem und seiner Familie in der Regel ein Paket, das wir persönlich übergeben) herbeischaffen, anmelden des Transports in Weißrussland und bei den deutschen Botschaften in Warschau und Minsk, Einfahrtgenehmigungen nach Weißrussland und Ausnahmegenehmigungen vom Sonntagsfahrverbot in Deutschland beantragen, Spendenaufrufe, Einladung und Visa besorgen gehen schnell wieder vergessen.
Als dann ca. 3 Wochen vor dem Transport
von Weißrussland immer mehr Probleme gemeldet werden überlegten wir
schon, ob wir diesen Transport überhaupt durchführen sollen. Letztendlich
gaben die Spenden von INTERFRIENDSHIP den Ausschlag, dass wir trotz
aller Schwierigkeiten in Richtung Belarus aufbrachen. Von dort hatten
wir so viele Spenden bekommen, die angeblich auch kein Problem
in Belarus machten, dass wir zwar einen Lkw zu Hause ließen, uns aber
trotzdem mit allen 13 Fahrern auf die Reise nach Otor machten. Zu
Hause gelassen haben wir insbesondere Kleiderpakete. Auch einige wenige
Lebensmittelpakete.
Nach monatelangen Vorbereitungen und
vielen Problemen in den letzten Wochen bevor es losging war der Tag
der Abfahrt nun endlich gekommen. Rechtzeitig um 17:45 Uhr trafen wir
mit den Fahrzeugen dort ein, nur Walter war mit dem großen Lkw immer
noch nicht da. Doch nach einigen Minuten hörten wir ein bekanntes
Motorengeräusch und die Truppe war komplett. Und so erhielten wir
mit etwa 10-minütiger Verspätung den Reisesegen von Pfarrer Nordmann.
Wie sich später herausstellen sollte, hatte Pastor Willems von der
katholischen Kirchengemeinde den Termin vergessen. Noch ein Bild von den Fahrern und
dann die Verabschiedung von unseren Familien und vielen Menschen,
die uns eine glückliche Reise wünschen wollten. Um 18:15 Uhr machten
wir uns dann auf die lange Reise zu unseren Freunden nach Weißrussland.
Von Hargesheim geht es zur A61 und dann
weiter in Richtung Frankfurt. Bei Wiesbaden legen wir nach ca. 35
Minuten den ersten Stop ein. An dem großen Lkw müssen die Radmuttern
nachgezogen werden. In den nächsten Stunden begleitet uns viel Verkehr
auf den Autobahnen und erst nach Kassel wird es besser. Jetzt läuft
es besser und wir kommen zügiger voran. Die Stopps und Fahrerwechsel
erfolgen routiniert und die ersten Teilnehmer legen sich zum schlafen
hin. Über Braunschweig geht es auf die A2 an Magdeburg vorbei und
dann auf den Berliner Ring. Am Autobahndreieck Spreeau wechseln wir
auf die A12 in Richtung Frankfurt/Oder. Kurz nach halb fünf erreichen
wir den Rastplatz „Biegener Hellen“. Von hier aus melden wir uns bei
der Autobahnpolizei, um zu erfahren, ob man bis zur Grenze vorfahren
kann oder Begleitung von einem Polizeifahrzeug erhält. Heute haben
wir Pech. Vor der Grenze ist eine Schlange von ca. 4 km und ein Polizeifahrzeug
ist zur Zeit nicht als Begleitung zu bekommen, die alle im Einsatz
sind. Wir machen uns also ohne Begleitung auf zur Grenze und sehen
auch schon bald wo zumindest ein Polizeifahrzeug im Einsatz ist. Ein
ziemlich schlimmer Unfall, bei dem ein Pkw unter einen Lkw gefahren
ist. Wir erreichen das Stauende und versuchen noch einmal unser Glück
bei der Autobahnpolizei. Doch alle Fahrzeuge sind immer noch im Einsatz
und so bleibt uns nichts übrig, als in der Schlange zu stehen und
uns in Geduld zu üben. Doch es geht langsam voran und (Samstag, 29.10.2005)
um 06:05 Uhr erreichen wir nach 702 km die Grenze von
Deutschland nach Polen. Nach kurzer Passkontrolle passieren wir den
polnischen Zoll. So schnell waren wir noch nie in Polen. Jetzt nur
noch Straßengebühren bezahlen und Geld wechseln. Denn obwohl Polen
seit 01.05.2004 in der EU ist, kann man noch nicht überall mit Euro
bezahlen. Auf den ersten Kilometern in Polen erleben
wir einen herrlichen Sonnenaufgang. Ein gutes Zeichen? Unser nächstes
Ziel ist das Hotel ODR in Kalsk. Es liegt etwa 80 km hinter der Grenze
und 15 km abseits unserer Fahrstrecke. In diesem Hotel verbringen
unsere Gastkinder bei der An- und Rückreise zu den Sommeraufenthalten
jeweils eine Übernachtung mit Frühstück in guten Zimmern zum Preis
von 6,-- Euro an. Dafür wollen wir dem Besitzer unseren Dank aussprechen,
ein kleines Geschenk überreichen und gleichzeitig die Gelegenheit
zu einem Frühstück nutzen. Wir sind angenehm überrascht und genießen
das Frühstück, dass für uns 13 Fahrer insgesamt 25,-- Euro kostet
und mit Käse, Wurst, Brötchen, Brot, Kaffee und Tee reichlich ist.
Der Besitzer freut sich sehr über das Weingeschenk und die netten
Worte. Er lädt uns ein jederzeit wieder bei ihm Halt zu machen. Gegen 09:15 Uhr fahren wir weiter bei
herrlichem Sonnenschein. Die Strecke durch Polen ist uns schon von
den 12 vorhergegangenen Transporten bekannt. Doch es gibt immer mal
wieder eine Überraschung. So auch dieses Mal. Die Autobahn in Polen
beginnt nun schon vor Posen, was uns mindestens eine Stunde Zeitersparnis
einbringt. Dafür müssen wir einmal mehr Autobahngebühren bezahlen.
Doch die 38 Sloty (umgerechnet ca. 10 Euro) lohnen sich. Wie es aber
meistens ist, gleicht sich alles wieder aus und so stehen kurz nach
dem Ende der Autobahn ca. 1 Stunde im Stau. Der Grund ist wohl eine
Ortsdurchfahrt, die durch eine Ampel sehr erschwert wird. Kurz danach
erreichen wir Kutno, wo wir bei Mc Donalds anhalten. Ein schon traditioneller
Halt. Bis hierher waren es 1.083 km, die Hälfte der Strecke liegt
also schon hinter uns und wir sind bis jetzt etwa 21 Stunden unterwegs.
Da haben wir uns mal wieder eine Pause verdient. Nach der Stärkung
geht es weiter in Richtung Warschau. Allerdings dürfen wir mit dem
Lkw nicht durch Warschau hindurch fahren. Wir müssen die Hauptstadt
Polens weitläufig umfahren. Aber auch das kennen wir schon und bringen
routiniert die Strecke hinter uns. Bei der Einfahrt werden die Fahrzeuge
gewogen, doch das bereitet uns keine Probleme. Der Parkplatz im Zollhof
ist allerdings bis auf den letzten Platz gefüllt. Oh je, das kann
dauern denken wir. Die Fahrzeuge bleiben ziemlich weit hinten stehen
und Rafael unser Dolmetscher, sein Bruder Georg, Udo und ich machen
uns auf den Weg ins Terminal, um die Formalitäten zu erledigen. Dort
geht es überraschend schnell und wir sind nach kurzer Zeit wieder
auf dem Parkplatz. Dort müssen wir feststellen, dass sich viele der
dort geparkten Lkws auf den Weg weiter in Richtung Belarus machen
und wir wollen diese Gelegenheit nutzen und bei diesem Durchgang ebenfalls
dabei sein. Doch unsere Fahrzeuge stehen nicht mehr an der ursprünglichen
Stelle. Bis alle Fahrer wieder in den Autos sind vergehen einige Minuten,
doch wir schaffen es nach noch nicht mal einer Stunde den polnischen
Zoll in Richtung Weißrussland zu verlassen. Das war verdammt schnell.
Langsam legen wir die 6 km bis zur Brücke über den Fluss Bug, der
die natürliche Grenze zwischen Polen und Weißrussland bildet, zurück.
Eine letzte Kontrolle auf der polnischen Seite und wir passieren die
Zeitgrenze. Jetzt heißt es erst mal die Uhr eine Stunde zurückstellen.
Da heute aber auch die Sommerzeit endet, können wir unsere Uhren stehen
lassen und haben automatisch weißrussische Zeit. Wir fahren in den weißrussischen Zoll
ein und erleben die erste heikle Situation. Ein weißrussischer Zollbeamter
fragt uns nach den Paketen in den Begleitfahrzeugen. Wir erklären,
dass es sich um Pakete der Fahrer handelt in dem Wissen, dass jeder
Fahrer nur 50 kg Gepäck und max. 5 kg Lebensmittel zollfrei einführen
darf. Doch der Zöllner hat wohl Verständnis und belässt es bei der
Frage. Nach der Fahrzeugkontrolle werden unsere Pässe kontrolliert.
Bei 13 Fahrern nimmt das natürlich einige Zeit in Anspruch. Der Zollbeamte
prüft die Angaben auf dem Sammelvisum und in den Pässen, danach vergleicht
er die Bilder in den Pässen mit den Gesichtern des jeweiligen Fahrers.
Manch ein Pass ist schon ein paar Jahre alt und das Aussehen hat sich
verändert. Doch die Passkontrolle verläuft ohne Probleme. Die Fahrzeuge
werden auf dem Parkplatz im Zollhof abgestellt und diejenigen, die
jetzt erst mal nichts zu tun haben, legen sich hin und versuchen zu
schlafen. Ich gehe mit Rafael ins Zollgebäude,
um die Formalitäten zu erledigen. Rainer Baab begleitet uns, um Euro
in Rubel zu tauschen. Anschließend begibt auch er sich wieder in die
Fahrzeuge. Bei uns verläuft zunächst alles reibungslos. Wir finden
den Schalter, an dem unsere deutsche Ausfuhrerklärung in das weißrussische
Zolldokument DKD übersetzt werden soll und die Frau dort beginnt sofort
mit der Arbeit. Doch dann beginnt der Zauber. Empfänger der humanitären
Hilfe soll die Direktorin der Schule in Otor sein. Um humanitäre Hilfe
empfangen zu dürfen muss man in Weißrussland registriert sein oder
beim Zoll eine Genehmigung des Departements für humanitäre Hilfe vorliegen.
Beides ist für die Direktorin der Schule in Otor nicht der Fall. Was
nun? Wir müssen zum Chef des Zolls. Er erklärt uns nochmals die Vorgaben
und kann uns zunächst nicht helfen. Wir vereinbaren, dass wir uns
mit der Direktorin in Verbindung setzen und diese beim Zoll
anruft. Nach kurzer Zeit und Durchsicht der
Dokumente scheint einer der beiden Beamten eine Lösung zu haben. Er
fragt, ob wir unseren Vereinsstempel und einen Briefbogen des Vereins
bei uns haben. Ich kann bejahen. Wir müssen die Ladeliste neu schreiben
und als Empfänger die Kreisverwaltung in Tschetschersk eintragen.
Also schnell zurück zu dem Schalter, an dem das weißrussische Zolldokument
geschrieben werden soll. Dort wollen wir auch die Ladeliste neu schreiben.
Unser Angebot diese Ladeliste selbst zu schreiben wird gerne angenommen.
So komme ich in den Genuss auf einem weißrussischen Computer mit englischem
Zeichensatz eine deutsche Ladeliste neu zu schreiben. Doch es geht
besser als gedacht. Zu guter letzt noch unseren Vereinsstempel drauf
und einige Kopien gemacht. Es gibt langsam Bewegung. Die Unterschrift
des Zollchefs ist kein Problem und die Begleitung durch ein Zollfahrzeug
kein Thema mehr. Wir müssen noch Straßengebühren für die beiden Begleitfahrzeuge
bezahlen und am Zollschalter die Formalitäten erledigen. Ich merke
wie diese Nacht an meinen Kräften zehrt und schlafe fast im stehen
ein. Doch wir sind froh, als wir endlich zu den Fahrzeugen gehen und
den restlichen Fahrern die Weiterfahrt verkünden können. Es ist 07:00 Uhr als wir den weißrussischen
Zoll verlassen und uns in Richtung der Hauptstadt Minsk auf den Weg
machen. Wir halten an der ersten Tankstelle in Weißrussland und ich
erzähle den anderen Fahrern von den Ereignissen der Nacht. Viele haben
gar nicht bemerkt wie lange wir im Zollgebäude waren. Doch alle sind
erleichtert dass es weitergeht und wir nicht zurückfahren müssen.
Ein kurzes Telefonat mit Katharina Schewzowa in Minsk, wo wir den
nächsten Halt eingeplant haben und es geht weiter. In Belarus ist
es zwar kalt aber die Sonne scheint. Wir kommen gut voran und liegen
trotz des langen Aufenthalts im weißrussischen Zoll gut in der Zeit.
Kurz vor Minsk erwarten uns Iwan, der Mann von Katharina und ihr Sohn
Jura. Wir werden herzlich begrüßt und von dort aus von beiden begleitet. Zur Begrüßung gibt es natürlich einen
Wodka, doch wir halten uns zurück, da ja noch eine ca. 5-stündige
Fahrt vor uns liegt. Natürlich berichten wir von der Fahrt, den Problemen
im Zoll, von zu Hause und hören Neues aus Minsk. Aus der Familie Schewzow
kommt unser erstes weißrussisches Gastkind Olga. Wir erfahren, dass
sie einen Freund hat und schon von Hochzeit geredet wird. Olga ist
22 Jahre und ihr Freund Dennis 29. Er ist Arzt, Olga Krankenschwester.
Eine schöne Nachricht. Jura, der Sohn der Familie Schewzwo, fährt
noch Zigaretten kaufen, die hier in Belarus um einiges günstiger sind
als bei uns. Die Fahrer wollen sie mitnehmen in das Dorf Otor, um
sie dort als Geschenke zu verteilen. Bei Schewzows treffen wir auch
Emma Trofimowa, eine langjährige Dolmetscherin während der Sommeraufenthalte.
Sie wird uns nach Otor begleiten. Nach gut 2 Stunden fahren wir um 14:30
Uhr weiter in Richtung Otor. Noch liegen ca. 300 km vor uns. Die Strecke
von Minsk nach Otor ist uns allerdings bekannt und eigentlich kein
Problem. Kurz vor Babrujsk halten wir an einem Café, dass wir auch
schon im Rahmen unserer Gastelternreise besucht hatten. Am Sonntag den 30.10.2005 um 19:30 Uhr
Ortszeit und nach 2.083 km kommen wir in Otor an. Auf dem Dorfplatz
warten schon viele Menschen auf uns. In der Dunkelheit ist es dann
nicht so einfach die einzelnen Personen zu erkennen, doch fast jeder
hier im Ort ist uns bekannt und wir begrüßen alle ganz herzlich. Nach
den ersten Umarmungen begeben wir uns in die Schule. An der Eingangstreppe
komme ich ins Stolpern, da die Treppe neu gemacht wurde und jetzt
ganz gleichmäßige Stufen hat. Das waren wir bisher nicht gewohnt.
In der Schule dann die offizielle Begrüßung mit einem Kuchen. Es ist Montag, 31. Oktober
2005. Um 06:45 Uhr geht mein Wecker. Ich stehe
auf, dusche und frühstücke. Ist das angenehm nach 2 Tagen unterwegs.
Nastja und Veta, die Kinder von
Wanja und Alessja, sind zu Hause. Auch in Belarus sind Ferien.
Wanja muss schon früh zur Arbeit. Er ist Direktor einer Firma mit
12 Bussen und 8 Lkws. Alessja bleibt extra wegen mir noch zu Hause.
Obwohl sie Lehrerin ist, sind für sie keine Ferien. Das ist halt anders
als in Deutschland. Hier in Belarus sind in den Ferien Konferenzen,
an denen die Lehrer mehrerer Schulen teilnehmen. In diesem Jahr hat
die Schule von Alessja diese Konferenz auszurichten. Alessja ist dort
stellvertretende Direktorin und deshalb sehr eingebunden in die Vorbereitung
und Durchführung. Um 07:45 Uhr verlasse ich die Wohnung
und warte an der Straße in Tschetschersk auf den FORD-Bus mit dem
Rafael und die Direktorin der Schule in Otor, Irina Winidiktowa, aus
Otor kommen. Sie bringen noch Bernie und Walter mit, die den Lkw bei
der Polizei holen. Zu letzt steigt noch Igor von der Kreisverwaltung
zu und dann fahren wir gemeinsam nach Gomel zum Zoll. Wir kennen den
Weg schon vom Vorjahr und sind gegen 09:00 Uhr vor Ort. Während Rafael,
Irina, Igor und ich zur Anmeldung gehen wird der Lkw in den Zollhof
eingelassen. Nachdem wir angemeldet sind gehen wir
in das Nachbargebäude, wo die Zollbeamten sitzen, die uns abfertigen
sollen. Es geht langsam voran, doch schnell zeigt sich, dass es nicht
so einfach werden wird. Für die Einlagerung der Güter benötigt man
eine Genehmigung für ein vorübergehendes Zolllager. Leider hat Irina
es versäumt diese Genehmigung schon im Vorfeld einzuholen. So benötigen
wir noch die Unterschrift des Zollchefs von Gomel, der natürlich in
einem anderen Gebäude der Stadt sitzt und nicht gerade auf uns wartet.
Wir fahren also in die Stadt, doch vor der Mittagspause können wir
nichts mehr erreichen. So wollen wir zunächst auf einer Bank
die Parkgebühren für den Lkw einzahlen. Doch auch hier ist Mittagspause.
Also gehen wir in ein nahe gelegenes Bistro, um ebenfalls etwas zu
Mittag zu essen. Danach zahlen wir auf der Bank dann die Parkgebühren
ein und fahren zum Zollhauptgebäude. Rafael versucht Alexander, einen
bekannten Zollbeamten, zu erreichen. Nach einiger Zeit gelingt es
auch und er versucht uns zu helfen. Trotzdem dauert es bis kurz nach
17:00 Uhr bis die Unterschrift endlich da ist. Wir fahren zurück zum
Zollgebäude, wo auch der Lkw steht. Doch nun ist es zu spät, um noch
nach Otor zu fahren und auszuladen. Denn ein Zollbeamter muss mitfahren
und er würde die Hin- und Rückfahrt während seiner Arbeitszeit nicht
mehr schaffen. So lassen wir den Lkw im Zollhof und fahren mit dem
FORD-Bus zurück. Das heißt aber auch, dass wir morgen wieder kommen
müssen. Gegen 19:00 Uhr sind wir bei Tatjana
wo sich heute alles Fahrer und einige der Gasteltern treffen, um gemeinsam
zu essen, zu trinken und zu erzählen. Es soll auch gefeiert werden,
doch dazu ist heute keinem so richtig zu Mute.
Mit der Zeit entwickeln sich aber viele
Gespräche und Diskussionen. Es wird so doch noch ein schöner Abend.
So langsam verabschieden sich die Fahrer, um in ihre Familien zurück
zu kehren. Auch Wanja und ich gehen nach Hause. Alessja ist mit den
Kindern schon früher gegangen. Dort angekommen setzen wir uns noch
in der Küche zusammen, um weiter zu erzählen. Dienstag, 1.11.2005. Die
Nacht war kurz und um 06:45 Uhr stehe ich auf. Wanja ist schon wieder
zur Arbeit und Alessja hat sich noch einmal bis 8 Uhr freigenommen.
Ich gehe wieder zur Straße und warte dort auf den Bus, der aus Otor
kommt. Die Strecke ist bekannt und gegen 09:00 Uhr waren wir wieder
im Zoll in Gomel. Der Chef teilt uns einen Zöllner zu. Es ist nicht
die Frau vom Vortag und so fängt der Zöllner von neuem an die Papiere
zu überprüfen. Ab und zu kommt er zu uns und fragt nach Einzelheiten.
Die Krönung ist, dass wir angeblich 16 Rubel zu wenig an Gebühren
für den Lkw bezahlt haben. Doch das lag am Wechselkurs der Bank. So
dauert es bis 12:00 Uhr und wir können endlich in Richtung Otor starten. Eine Stunde später sind wir in Otor. Der Zöllner besichtigt zunächst die Sporthalle, die als vorübergehendes Zolllager dienen soll. Dann muss der Lkw neben den Eingang der Halle gefahren werden. Da die Einfahrt ziemlich eng ist, hat Walter so seine Mühen. Jetzt kann endlich die Plombe geöffnet werden. Wir fangen an auszuladen. Der Zöllner beobachtet genau wo die Pakete abgestellt werden. Einige der Pakete, z.B. für die Kommission und den Zoll, sind nicht deklariert. Diese müssen wir beiseite schaffen. Doch es besteht keine Gelegenheit. Dann begibt sich der Zollbeamte nach draußen und wir bringen ein paar Lebensmittelpakete aus der Halle. Doch er riecht anscheinend den Braten und erwischt uns dabei. Zwar sieht er den Raum wo wir die Pakete hinbringen aber weiter sagt er nichts. Das Ausladen geht schnell voran, wir haben 232 Pakete mit. Dann kommt auch schon die von Irina alarmierte Kommission, die alle Pakete öffnen und die darin enthaltenen Sachen registrieren soll. Doch zunächst lässt der Zollbeamte einige Pakete öffnen, um zu sehen ob der Inhalt auch der Zollerklärung entspricht. Sogar das Haltbarkeitsdatum der Lebensmittel kontrolliert er. Schließlich verabschiedet er sich und Rafael bringt ihn zurück nach Gomel. Doch nun haben wir ein anderes Problem.
Die Kommission ist schon da und will mit der Arbeit beginnen, doch
noch sind einige Pakete in der Halle, die nicht hierher gehören. Irina
soll die Kommission in ihr Büro holen, doch die wollen nicht. Zu guter
letzt wirft Georg die letzten beiden Kommissionsmitglieder raus. Nun
muss alles ganz schnell gehen. Wir suchen 24 Pakete und finden nur
23. Schließlich geben wir es auf und verlassen die Halle. Wir gehen
zu Irina und der Kommission, machen ein Bild und notieren die Namen
und Berufe der Mitglieder. Es ist nun schon 14:30 Uhr und Wassja,
der Freund von Tatjanas Tochter Marina, fährt mit mir zu einem Picknickplatz,
wo Wanja und die anderen schon warten. Das Feuer brennt schon und
es riecht sehr gut. Der Platz ist traumhaft und vor allem ganz ruhig.
Hier komme auch ich etwas zur Ruhe. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich
ziemlich angespannt. Jetzt genieße ich die Ruhe, das gute Essen und
auch mal einen Wodka. Höhepunkt ist natürlich das von Wanja vorbereitete
und einem Kollegen zubereitete Schaschlik. Spieße mit Fleisch, Zwiebeln
und Paprika, eingelegt in einer speziellen Soße. Es ist köstlich.
In Tschetschersk steige ich mit Alessja
aus und wir gehen nach Hause. Dort packe ich meine Sachen, um an diesem
Abend noch die Familie Prankewitsch zu besuchen. Eigentlich wollte
ich zu Fuß gehen, doch neben dem Rucksack habe ich noch ein Paket
zu tragen und das ist nicht leicht. So rufe ich bei Ljuda an und bitte
Sie, dass mich Dima abholt. Gegen 18:00 Uhr treffen wir bei Ljuda
ein. Larissa, Philipp, Lena (Ljudas Schwester) und ihre Kinder Irka
und Dima sind auch da. Es folgt eine herzliche Begrüßung, insbesondere
mit Ljuda. Ihr geschiedener Mann Mischa ist leider nicht da. Bei beiden
durfte ich jahrelang während der Hilfstransporte wohnen. Doch es gibt
auch so viel zu erzählen. Larissa z.B. wird im Dezember für 2 Wochen
zu ihren ehemaligen Gasteltern nach Belgien fahren. Und ihr kleiner
Sohn Philipp wird sie begleiten. Das ist übrigens immer noch ein quicklebendiges
Kerlchen. Mit Irka und Dima rennt er durch die Wohnung. Da ist richtig
was los. Trotzdem kommen wir auch noch zum essen und getrunken wird
natürlich auch ein wenig. Ich habe natürlich auch ein paar Geschenke
mitgebracht und ganz besonders die Kinder freuen sich darüber. So
vergeht die anderthalbe Stunde wie im Flug und gegen halb acht Uhr
muss ich mich schon verabschieden. Ich habe die Zeit bei Ljuda und
ihrer Familie sehr genossen. Als nächstes besuche ich die Familie
Andronik. Ihre Tochter Irina war in diesem Sommer zum ersten Mal in
Hargesheim und ihre Gastfamilie Michael und Birgit Reinke hat mir
einen Brief für sie mitgegeben. Sie freuen sich sehr und geben mir
gleich auch ein Geschenk für die Familie Reinke mit. Nun endlich gehe ich zur Wohnung der
Familie Usow, wo sich heute alle Fahrer treffen. Schon zum Mittagessen
war ein Teil der Fahrer dort und heute Abend sind wir auch zum Abendessen
eingeladen. Ich sehe Camilla wieder. Allerdings hätte ich sie nicht
erkannt. Sie war vor 10 Jahren bei Familie Wirtz in Hargesheim und
damals gerade mal 7 Jahre alt. Heute ist sie eine junge Frau mit 17
Jahren. Wir erzählen ein wenig und ich stelle fest, dass sie ein sehr
angenehmer Mensch ist. Auch sie will am nächsten Tag mit nach Gomel
zum Zirkus fahren. Dann kommt auch noch Kolja mit dem Akkordeon und
es wird gesungen und getanzt. Vor allem Alina ist gut drauf und fängt
an zu tanzen. So langsam lockert sich die Stimmung. Überall wird erzählt
und draußen auch geraucht. Es wird doch noch ein schöner Abend. Gegen 22:00 Uhr verabschiede ich mich
und Rafael fährt Alina und mich nach Tschetschersk. Ich soll zu Tatajana
kommen und Alina geht zu ihrer Freundin. Da ich den Code für die Eingangstür
von Tatjanas Haus nicht kenne, ruft Alina von ihrer Freundin dort
an und dann werde ich an der Haustür abgeholt. Nach einiger Zeit verabschiede
ich mich auch hier und gehe nach Hause. Wanja und Alessja schlafen
schon, doch Tatjana hat mich telefonisch angemeldet und Wanja öffnet
die Tür. Ich nutze die Gelegenheit und gehe ebenfalls früh zu Bett. Mittwoch, 02.11.2005.
Heute kann ich etwas länger schlafen und stehe erst um 07:30 Uhr auf.
Nach Bad und Frühstück packe ich meine Sachen. Die letzten Geschenke
gehen an Alessja und ihre Tochter Nastja. Wanja war schon zur Arbeit,
kommt aber noch mal zurück, um sich von mir zu verabschieden. Wir
machen noch ein Bild. Leider ist Veta heute schon früh zur Schule
und nicht mehr zu Hause. Dann verabschiede ich mich und bedanke mich
für die herzliche Aufnahme. Ich habe hier wirklich sehr gut gewohnt
und mich wohl gefühlt. Wanja hilft mir mein Gepäck zur Straße zu bringen
und dann kommt auch schon der FORD-Bus. Udo ist auch schon drin und
so fahren wir nach Otor, wo wir uns bei Konzewajas treffen, um die
Fahrzeuge herzurichten und umzuladen. Denn Rafael, Jürgen und ich
fahren heute mit Emma nach Minsk und werden den Sprinter nehmen, da
wir viel Gepäck und Pakete haben und am nächsten Tag die Truppe die
Sitzplätze im FORD braucht. Dann fahren wir noch zur Schule Von den restlichen Fahrern verabschieden
wir uns gegen 10:00 Uhr. Rafael, Jürgen und ich fahren nun nach Nowaja
Jaskowtschina zu Nadja und ihrer Familie. Als nächstes fahren wir nach Tschetschersk,
um Emma bei Tatjana abzuholen und uns dort von Alina zu verabschieden.
Im nächsten Jahr wollen einige Männer und Frauen Alina in Russland
zu ihrem 60. Geburtstag besuchen. Sie freut sich schon sehr darauf.
Wir bringen dann noch zwei Pakete zu Tatjana und Alina und sagen Adieu. Nun geht es weiter zu Anna und Iwan
Arlow. Sie haben 3 Jahre lang die Transporte für Otor abgewickelt.
Und seitdem sind sie gute Freunde von uns. Trotz der Bitte, dass Anna
nichts vorbereiten soll, ist der Tisch natürlich reichlich gedeckt.
Zunächst begrüßen wir uns herzlich. Wir lernen heute auch die Tochter
von Anna und Iwan mit ihrer Familie kennen. Sie sind zu Besuch und
haben ihren 6-monatigen Sohn dabei. Auch hier liefern wir ein Paket
ab und genießen ein gutes Essen. Jürgen muss für uns alle Wodka trinken,
denn Rafael und ich reden uns raus, dass wir noch fahren müssen. Insgesamt
ist es eine schöne Stunde bei den Beiden und wir kommen nur schwer
wieder weg. Bevor wir nun nach Minsk starten, wollen
wir noch kurz bei Natalja Bulanowa vorbeischauen. Ihr Sohn ist krank
und so werden wir uns nicht lange dort aufhalten. Aber natürlich haben
wir auch hier Geschenke abzugeben. Nataljas Mutter und eine Tante
sind da und unterstützen sie. Man sieht ihr allerdings an, dass sie
wohl eine kurze Nacht hatte. Wir bleiben auch nicht lange und verabschieden
uns. Auf dem Weg zur Straße geht mein Handy. Wanja ruft an. Er will
uns noch kurz treffen bevor wir nach Minsk fahren. Kurze Zeit darauf
kommt er mit seinem Dienstfahrzeug an, wie immer ziemlich in Hektik.
In der Manteltasche trägt er eine Flasche Wodka für mich. Dann verabschieden
wir uns endgültig von ihm. Um 12:15 Uhr starten wir dann endlich
in Richtung Minsk. Emma hat am Morgen noch bei der Stiftung angerufen
und erfahren, dass sie, trotz gekündigter Räume, noch immer in der
Starovilenskaja-Str. ist. Wir sollen am nächsten Morgen um 11:00 Uhr
dort sein, dann will uns Irina Gruschewaja dort empfangen. Wir brauchen
also nicht, wie ursprünglich geplant, noch heute dorthin zu fahren
und haben so etwas Luft. Doch die Fahrt nach Minsk verläuft gut und
wir kommen schnell voran. Eine kurze Pause zum Fahrer wechseln, ansonsten
fahren wir in einem durch. Jürgen muss nicht fahren, er musste ja
für uns Wodka trinken. Gegen 15:45 Uhr sind wir in dem Einkaufsmagazin
„Wolgogradskaja“, wo wir Getränke für die Rückfahrt kaufen. Es geht
alles sehr schnell und schon 10 Minuten später sind wir auf dem Weg
zur Familie Schewzow. Dort kommen wir um 16:15 Uhr und nach fast genau
300 km an. Heute haben wir keine weiteren Termine mehr. Nur noch den
Bus ausladen und zum bewachten Parkplatz bringen. Rafael wir von seinen
Freunden aus Stoubcy abgeholt. Dann lerne ich auch Dennis, Olgas neuen
Freund kennen. Wir lernen uns kennen und versuchen uns mit Russisch
und etwas Englisch zu unterhalten. Katharina ist in der Küche zugange.
Es riecht gut und ich freue mich richtig auf das Essen. Jura ist noch
unterwegs, um Iwan von der Arbeit abzuholen. Es dauert und Jura meldet
sich von unterwegs. Sie sind auf dem Weg quer durch die Stadt und
es ist viel Verkehr. So gegen 18:30 Uhr sind die Beiden da und wir
essen zu Abend. Es gibt Bratkartoffeln, Salat und überbackenes Fleisch.
Auch russisches Bier (1 ½ Liter, ein Geschenk von Wanja für mich),
Wodka und Schnaps (hat Jürgen mitgebracht) stehen auf dem Tisch. Beste
Voraussetzungen für einen schönen Abend. So genieße ich ein paar ruhige
Stunden im Kreise von Freunden. Und Dennis hat den Geschmack an dem
Schnaps von Jürgen gefunden. Er kann ganz schön was wegputzen. Trotzdem
wirkt er nicht betrunken. Gegen 23:00 Uhr, nachdem ich mehrmals
fast eingeschlafen bin, gehen wir zu Bett. Jürgen und ich schlafen
im Schlafzimmer von Iwan und Katharina. Es ist ziemlich warm, doch
wir sind zu müde, um daran zu denken das Fenster zu öffnen. Schnell
schlafen wir ein. Am Donnerstag Morgen
kurz nach 07:00 Uhr werden wir wach. Noch vor
dem Frühstück holen wir den Bus mit Anhänger vom Parkplatz. Dann genießen
wir Plinis mit Marmelade und Honig. Um 09:00 Uhr fahren wir zur Poliklinik
Nr. 8 wo Olga arbeitet. Die Abteilungsärztin, eine Stationsärztin
und Olga begrüßen uns. Wir holen 3 Pakete aus dem Bus, die wir für
die Poliklinik mitgebracht haben. Um 11:00 Uhr treffen wir pünktlich in
der Starovilenskaja-Str. ein und werden herzlich von Olga begrüßt.
Leid er ist Irina Gruschewaja, die Frau des Vorsitzenden der Stiftung
Gennadij Gruschewoj, noch nicht da. Sie ist aber unterwegs und wird
bald hier sein. So nutzen wir die Zeit und besuchen noch einen Buchladen
ganz in der Nähe. Ich will noch eine neue Karte von Belarus besorgen
und werde dort auch fündig. Wir schlendern entlang der Swislatsch
zurück und einige Minuten nach uns trifft auch Irina ein. Sie kommt
gerade von der Besichtigung neuer Räumlichkeiten, da ihnen die alten
in der Starovilenskaja-Str. gekündigt worden sind. Emma, Jürgen und
ich erzählen Irina von unsere Transport und von der Situation mit
den Kinderreisen allgemein. Anschließend habe ich noch ein Gespräch
unter 4 Augen mit Irina, das sich um die Zusammenarbeit der Stiftung
mit der Bundesarbeitsgemeinschaft „Den Kindern von Tschernobyl“ dreht.
So wird es doch später als geplant und gegen 13:15 Uhr machen wir
uns auf den Weg in den Stadtteil Malinowka, wo die Familie Schewzow
wohnt. Unterwegs halten wir noch in dem Einkaufszentrum
„Kirmasch“, wo noch schnell einige Küchenhandtücher gekauft werden.
Dann geht es schnell nach Hause. Bei der Anfahrt sehen wir schon,
dass der Rest der Truppe bereits aus Otor eingetroffen ist. Sie sitzen
beim Mittagessen und lassen es sich schmecken. Auch wir essen etwas
und dann packe ich meine Sachen. Die Autos werden wieder umgeladen
und für die Rückfahrt hergerichtet. Irgendwie hat man den Eindruck
alle wollen nach Hause. Kurz vor 15:00 Uhr nehmen wir Abschied von
Emma, Katharina und den Kindern. Wir machen uns auf den Weg nach Hause
und ich rufe kurz übers Handy bei Rafael an, der bei Stoubcy, ca.
70 km von Minsk Richtung Brest, zusteigen will. Wir kommen um 16:00
Uhr an der dortigen Mautstelle an, doch Rafael ist noch nicht zu sehen.
Also warten wir etwas und nach einigen Minuten erscheint er mit seinen
Gastgebern. Jetzt sind wir komplett. Ein letzter Abschied und wir
passieren die erste Mautstelle. Schon bald wird es dunkel und wir rücken
der Grenze bei Brest näher. Kurz vor Brest biegen wir rechts ab zum
Grenzübergang für Lkw in Koslowitschi. Es ist 20:30 Uhr als wir am
Eingang zu den Grenzanlagen stehen. Doch wir dürfen nicht einfahren.
Vor der Einfahrt in die Grenzanlagen müssen wir noch einmal ein gutes
Stück zurück ins Terminal bei Brest. Dort ist nur ein Stempel erforderlich
und wir können wieder Richtung Grenze fahren. Die ganze Aktion hat
uns mindestens eine halbe Stunde gekostet. Doch nun fahren wir in
die Grenzanlagen mit vielen Kontrollen ein. Von Otor bis hierher waren
es nun schon 660 der insgesamt fast 2.100 km. Im weißrussischen Zoll
geht es zügig voran. Natürlich ist das relativ. Aber bei mehreren
Fahrzeugkontrollen, Bearbeitung der Papiere und Kontrolle der Pässe
von 13 Fahrern ist eine Durchlaufzeit von 2 ½ Stunden seit dem ersten
Mal an der Grenzstelle doch recht schnell. Noch schnell im Duty-free-Shop
vorbei geschaut und um 23:00 Uhr verlassen wir den weißrussischen
Teil der Grenzanlagen. Wir fahren über den Grenzfluss Bug und
stellen die Uhr eine Stunde zurück. Auch hier geht es gut voran. Allerdings
müssen wir für einen der beiden Busse (wegen dem Anhänger) noch Straßengebühren
nachlösen. Und wie das halt so ist, hat die Bank gerade Pause und
am Schalter ist eine lange Schlange. Als wir zurück am Zollschalter
sind, erfahren wir, dass wir zur Rampe müssen. Jedoch nur mit dem
roten Bus mit Anhänger. Also fahren wir dorthin, suchen einen Zollbeamten
der sich das Auto und den Anhänger ansieht und eigentlich gar keine
Lust dazu hat. So ist die Kontrolle recht kurz und wir können den
Zoll verlassen. Die anderen 2 Fahrezeuge stehen jedoch noch auf dem
Parkplatz und bis sie vorgefahren sind dauert es etwas, denn vor der
Durchleuchtungsanlage für Lkws hat sich eine Schlange gebildet, die
man nicht sofort überholen kann. Freitag, 02.11.2005.
Da es noch dunkel ist, legen sich einige zum Schlafen
hin. So ist es ziemlich ruhig in den Autos und wir kommen gut voran.
Die Strecke führt uns Richtung Warschau und, da wir eine Lkw dabei
haben, der nicht durch Warschau fahren darf, auch auf einer Umleitungsstrecke
um Warschau herum. Über Sochazew kommen wir nach Kutno, wo direkt
an der Straße der McDonalds ist. Doch es ist noch früh und er hat
noch nicht geöffnet. Weiter geht es über Konin und Klodawa in Richtung
Posen. Wir kommen auf die Autobahn, die jetzt um Posen herum geht.
Dadurch sparen wir einiges an Zeit. Gegen 12:15 Uhr sind wir kurz
vor der Grenze zu Deutschland. Da wir gut in der Zeit liegen, haben
wir uns entschlossen den Polenmarkt in Slubice, der polnischen Grenzstadt
zu Frankfurt/Oder, zu besuchen. Wir schlendern alleine oder in kleinen
Gruppen an den Ständen vorbei und genießen das Flair und das Angebot.
Eine gute Stunde haben wir Zeit und als wir uns wieder treffen, hat
fast jeder eine Tüte in der Hand. Der ein oder andere hat auch etwas
gegessen und so fahren wir gut gestärkt zurück in Richtung Autobahn-Grenzübergang. Punkt
14:00 Uhr passieren wir die Grenze zwischen Polen und Deutschland.
Nur eine kurze Passkontrolle und wir dürfen durchfahren. Endlich wieder
deutschen Boden unter den Füßen. Als wir vor 6 Tagen in die andere
Richtung fuhren hatte ich noch gesagt. „Wenn wir dort drüben fahren
ist mir wohler.“ Nun ist es so weit und ich fühle mich auch erleichtert. Weiter geht es auf der A12 und der A10
an Berlin vorbei bis zum Dreieck Potsdam. Dort biegen wir auf die
A9 Richtung Süden ein und nach 20 km machen wir Rast auf der Raststätte
„Fläming“. Toiletten vom Feinsten, gutes Essen und eine schöne Tasse
Kaffee wirken beflügelt auf uns. Nach einer Pause von 45 Minuten geht
es gegen 16:30 Uhr auf die letzten knapp 600 km. Die Strecke ist bekannt.
Sie führt uns an Leipzig vorbei über das Hermsdorfer Kreuz auf die
A4. Weiter geht es vorbei an Jena und Weimar über Eisenach auf die
A5 in Richtung Frankfurt. Der anvisierte Ankunftszeitpunkt von 01:00
Uhr in der Nacht wird noch einmal korrigiert auf ca. 23:30 Uhr. Und
fast genau um diese Zeit fahren in Hargesheim in die Schulstraße ein,
wo unsere Angehörigen schon auf uns warten und uns begrüßen. Die Wiedersehensfreude
ist groß und alle fallen sich in die Arme. Es ist halt immer wieder
schön nach Hause zu den eigenen Familien zu kommen. Wie bei jedem Hilfstransport ist für
die Fahrer bei der Familie Herrmann ein Begrüßungsessen angerichtet.
Es gibt Kartoffeln, Rouladen und Soße. Natürlich stoßen wir auch auf
die glückliche Heimkehr mit einem Wodka an und müssen den Angehörigen
viel erzählen. Doch es macht sich auch Müdigkeit breit und so gehen
wir nach Hause, um endlich wieder einmal im eigenen Bett auszuschlafen.
Und am nächsten Tag haben wir ja etwas
Arbeit. Die Autos müssen ausgeräumt und gereinigt werden. Anschließend
werden sie vollgetankt und ihren Besitzern zurückgebracht. In den
nächsten Tagen gibt es noch einige Nacharbeiten zu erledigen und dann
ist der Hilfstransport abgeschlossen. Mehr als ein halbes Jahr Arbeit
war investiert worden und nun kehrt hoffentlich wieder etwas mehr
Ruhe ein. Doch die nächsten Aktivitäten werfen schon ihre Schatten
voraus. Noch ein Hinweis an alle InterFriendship-Spender:
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